Sturm
von William Shakespeare
Übersetzung und Bearbeitung von Joachim Lux
Fassung für das Wiener Burgtheater

Prosperos war einst rechtmäßiger Herzog von Mailand, wurde aber durch seinen Bruder gestürzt, samt seiner Tochter Miranda auf hoher See ausgesetzt und an die Ufer einer scheinbar unbewohnten Insel gespült. Hier hat er sich, mit Hilfe der Magie, erneut zum Herrscher über die Wesen dieses Eilands aufgeschwungen: den Luftgeist Ariel und die Hexenbrut Caliban. Als ein Schiff am Horizont mit all seinen Feinden an Bord auftaucht, scheint die Stunde seiner Rache gekommen.



Eine Insel im Nirgendwo.

Jetzt Prosperos Insel. Einst war er rechtmäßiger Herzog von Mailand, wurde aber durch seinen Bruder gestürzt, da er sich mehr um Magie, Kunst und Wissenschaft bemühte, als um seinen Staat. So wurde er mit seiner Tochter Miranda auf hoher See ausgesetzt und an die Ufer jenes unbekannten Eilands gespült, hat von ihm Besitz ergriffen und sich erneut zum Herrscher aufgeschwungen – auch mit Hilfe seiner Zauberkunst.

Doch die Insel ist nicht unbewohnt!

Caliban, eine wilde, ungebändigte Kreatur zwischen Ureinwohner und Monster, ist der eigentliche Herr der Insel. Er wird von Prospero entmachtet und unterjocht, dient ihm fortan als Sklave. Und Ariel, ein Geist der Lüfte, von Calibans Hexenmutter einst in einen Baum gebannt, wird von Prospero befreit und ist ihm nun aus Dankbarkeit verpflichtet. Und sehnt sich doch nur nach seiner Freiheit.

Alles könnte gut sein.

Wäre da nicht Prosperos Drang nach Rache! Als ein Schiff mit allen seinen Feinden an Bord am Horizont auftaucht, lässt er Ariel einen Sturm entfachen, der seine Gegenspieler von ehedem wild verteilt auf seiner Insel stranden lässt. Doch dann geschieht etwas Unerwartetes: Prospero arrangiert die Verbindung seiner Tochter mit dem schiffbrüchigen Königssohn Ferdinand – und vergibt seinen Widersachern! Sogar Ariel entlässt er aus seinem Dienst in die Freiheit der Lüfte. Einzig Caliban bleibt versklavt und unerlöst in diesem romanzenhaften Ende.

Soweit bekannt, aber…

Mit einer genialen wie vom Publikum gefeierten Bearbeitung von Shakespeares DER STURM durch Joachim Lux (Dramaturg, Regisseur und seit 2009 Intendant am Thalia Theater Hamburg), gelang 2007 unter der Regie von Barbara Frey (langjährige Intendantin am Schauspielhaus Zürich) am Burgtheater Wien / Akademietheater ein außerordentlicher Coup und bescherte dem Haus 10 Jahre ausverkaufte und bejubelte Vorstellungen! Denn hier konzentriert sich das Stück ganz auf drei Charaktere: Prospero, Caliban und Ariel!

Prospero zwingt die beiden ungleichen, wesenhaften Diener seine Geschichte und die seiner Kontrahenten immer wieder und wieder zu erzählen. So wird Prospero auch zum Autor und Regisseur seiner eigenen Vergangenheit, seines Lebens, seiner Zukunft. Dabei verschieben sich die Herrschaftsverhältnisse und Allianzen überraschend komisch und ebenso gefährlich, entstehen immer neue Perspektiven. Was ist Spiel, was Realität?


DER STURM gilt als Shakespeares Vermächtnis.

Es war höchstwahrscheinlich das letzte Stück, welches Shakespeare ohne Co-Autor 1611 verfasst hat, und wurde in der Erstausgabe seiner Werke, der Folio-Druckausgabe von 1623, an den Anfang der Komödien gestellt, was seinen besonderen Rang verdeutlicht. Heute rechnet man das Stück zu den Romanzen, also den romanhaften Tragikomödien.

Oft wird Prospero als Alter Ego Shakespeares interpretiert, und sicher spiegelt sich „der Barde“ in dieser Figur selbst wider. Er, der damals schon etwas aus der Mode gekommene Theater-Zauberer, schließt in dieser Geschichte mit seinen Nachfolgern (Alonso, Antonio) ab, vermählt sein Erbe (Miranda) mit dem des neuen Zeitgeschmacks (Ferdinand) und entlässt seinen schöpferischen Geist (Ariel) in die Freiheit – des Ruhestands. Und steht Caliban im Freud’schen Drei-Instanzen-Modell für das triebgesteuerte Es, so behält Prospero/Shakespeare seine dunkle und brutale Seite für sich und somit unter Kontrolle und Verschluss.

Ähnlich wie bei Don Quijote, dessen Entsagung vom Wahnsinn und seiner Don-Quijote-Identität am Ende des Romans folgerichtig den Tod bedeutet, ist Prosperos Auflösung des Traums am Ende des Sturms kein Neuanfang. Mit dem Verlassen der Insel endet vielmehr die Ära des großen Zauberers, für ihn wie für Shakespeare schließt sich der Kreis auf dieser Welt, im Globe (!), das (schöpferische) Leben ist zu Ende. Denn für beide, Shakespeare wie Prospero, war die Welt der Imagination, der Magie, des Zaubers und des Traums – kurz: des Theaters! – das eigentliche Leben.

DER STURM ist eines der wenigen Stücke Shakespeares, welches die Einheit von Zeit und Raum beibehält, mit einer Insel als Sinnbild des Theatrum Mundi, gespielt und gespiegelt im Theater-Rundbau des alten Globe Theaters in London.


Das NEUE GLOBE THEATER kehrt mit dieser Inszenierung wieder zu seinen Wurzeln zurück, dem Elisabethanischen Theater. Dabei nutzen wir Shakespeares wundervolle Sprache, seine lebenspralle Verspieltheit und Lust, die Welt mit den Mitteln des Theaters zu erkunden, um dem Zuschauer immer wieder den sinnlichen Genuss von erlebtem Bühnengeschehen und eigener Fantasie vor Augen und Ohren zu führen.

Ein Spiel um Macht und Ohnmacht, um Rache und Vergebung, rau und fein zugleich, voll praller Komik und Musik, rätselhaft und widersprüchlich, und dabei auch Shakespeares Vermächtnis an uns alle. Denn er hinterlässt den Zuschauern durch Prospero diese Worte:

Die Zauber sind vorbei. Unsre Spieler
Waren Geister alle und
Zerfließen nun zu Luft, zu dünner Luft.
Und wie dies ins Nichts gebaute Trugbild
Werden einst wolkenhohe Türme, Paläste,
stille Kirchen, ja der große Erdball selbst,
mit allem, was auf ihm Wohnung nahm, vergeh´n
und wie dies wesenlose Schauspiel zerfließen,
verschwinden ohne Spur. Wir sind aus solchem Stoff,
aus dem die Träume sind, und unser kleines Leben

beginnt und schließt ein Schlaf. 


Pressestimmen

Landsberg, Der Kreisbote/Münchner Merkur hier >>

zur Premiere des Neuen Globe Theaters am 21. April 2022 in Potsdam:

Potsdamer Neueste Nachrichten PNN hier >>

«Himmel oder Hölle – Das Neue Globe Theater kehrt zu seinen Wurzeln zurück und bringt Shakespeares „Sturm“ zur Premiere… Dies in einer 90-minütigen Fassung, die auf der Theaterfassung von Joachim Lux beruht, im T-Werk in diesen gesellschaftlich bewegten Zeiten zu erleben, ist ein besonders überbordendes Theatererlebnis…. es vergehen einem Hören und Sehen, es schwindelt einem geradezu bei dieser überbordenden Spiel- und auch immer wieder Sangeslust der drei Akteure unter der flotten Regie von Kai Frederic Schrickel, die auch wieder mit den unterschiedlichsten Facetten von Männlichkeit spielt. Und man folgt ihr auch bereitwillig in die philosophischen Verästelungen des Stücks, das als letztes des großen britischen Dramatikers und sozusagen als sein Vermächtnis gilt.» (Astrid Priebs-Tröger, Potsdamer Neueste Nachrichten PNN)


zur Ur-Aufführung der Bearbeitung von Joachim Lux am Akademietheater Wien 2007 (Regie: Barbara Frey):

«radikal, aber virtuos verknappt» (Wiener Zeitung)

«Ausgeburt der Phantasie … Versuchsanordnung, Skizze, Spiel und Erzählung in einem» (Frankfurter Rundschau).

«Dieser Sturm verbläst gewohnte Sehweisen und beschert einen kurzweiligen Theaterabend, der auf Tiefgang nicht verzichtet und wie ein Theaterorkan über die Bühne fegt.» (OÖ Nachrichten)


Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

 

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Aufzeichnung der Vorstellung am 23. April 2022 im T-Werk Potsdam.

Ensemble des Stücks

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