All the world’s a stage

DIE GANZE WELT IST BÜHNE

Wir sind das NEUE GLOBE THEATER, eine schauspielergeführte Theatertruppe aus Potsdam, und hier kann man alles erfahren über unsere Geschichte und unsere Geschichten, die wir Ihnen und Euch auf der Bühne erzählen.

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NEWS

Don Quijote
13. Juni 2019

Die Geschichte von Don Quijote und Sancho Panza wird zu einem Fest für zwei Schauspieler, die sich an der Welt und aneinander bis zur völligen Erschöpfung abarbeiten. Auf einmal wird aus diesem opulenten Prosawerk die Vorlage für ein Stück Theater schlechthin. Weil es dem Kern dessen nachgeht, was Theater ist: Realität mit Sprache, Körper und Bühne zu illusionieren.


Inhalt:

Don Quichote ist ein leidenschaftlicher Leser von Ritterromanen, dem es aber immer schwerer fällt, zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden. Daher hält er sich plötzlich selbst für einen stolzen Hidalgo, der ein Abenteuer nach dem nächsten zu bestehen hat. Er steigt auf sein klappriges Pferd Rosinante und kämpft um seinen Traum, unter anderem gegen mächtige Zauberer und Riesen. Oder sind es nur Windmühlen? Treu an seiner Seite reitet sein Schildknappe Sancho Panza, der versucht, seinen Herrn vor dem schlimmsten Unheil zu bewahren. Denn meist enden die Episoden damit, dass Don Quijote verprügelt wird und wenig ruhmreich als „Ritter von der traurigen Gestalt“ abtritt. Im zweiten Teil ist der – immer noch verarmte – Landadelige Don Quijote mittlerweile selbst eine literarische Berühmtheit geworden!


DON QUIJOTE und das NEUE GLOBE THEATER

Nach unseren Erfahrungen mit dem Theater-Lockdown während der Corona Krise und den daraus resultierenden Anforderungen auf, vor und hinter der Bühne, planen wir 2021, eine Krisen kompatible Zwei-Mann-Schauspiel-Produktion herauszubringen, die quasi aus der Wurzel unseres Theater-Selbstverständnisses entspringt. Als Grundidee dienen uns dabei die Parallelen zwischen dem Globe-Theater Shakespeares und unserer heutigen Situation. Denn auch zu Shakespeares Zeiten wurden Theater wegen Seuchen geschlossen.

„Während William Shakespeares Karriere als Schauspieler, Dramatiker und Teilhaber einer Theatertruppe, starb fast ein Drittel der Einwohner Londons an der Pest. Fielen in einer Woche mehr als 30 Londoner der Seuche zum Opfer, so lautete die Regel, mussten das Globe und die anderen Theater ihre Pforten schließen. Was so häufig vorkam, dass sie in den Jahren zwischen 1603 und 1613 für insgesamt 78 Monate geschlossen waren, also weit über die Hälfte der Zeit.“ (aus: Kölner Stadtanzeiger vom 25.3.2020)

Um damals im Angesicht der Seuche Theater produzieren zu können, mussten Formen, Dramen, Konstellationen entwickelt werden, um eine „Theater-Normalität“ auch im Zeichen der Pandemie stattfinden lassen zu können. Wie sahen diese aus? Sind diese Spiel- und Erzähl-Formen auf unser Heute übertragbar? Und ist vielleicht das, was da am Ende herauskommt, gar nicht so anders, als es der Zuschauer von heute (er)kennt?

Seit Gründung des NEUEN GLOBE THEATERS 2015 untersuchen wir immer wieder die Schnittstellen zwischen Elisabethanischem und Modernem Theater. Uns interessiert, ob gewisse Entscheidungen der damaligen Spielpraxis mit der seuchenbedingten Gesamtsituation korrelierten. Ist das Spielen im runden Globe-Theaterbau nach drei Publikumsseiten auch eine Schutzfunktion, um sich nicht gegenseitig das Bakterium (oder das Virus…) ins Gesicht zu spucken? Bietet eine leere Bühne (Wortkulisse) nicht die optimalen Voraussetzungen für Mindestabstände? Ist das Spielen unter freiem Himmel bei Tageslicht auch der Erkenntnis geschuldet, dass diese Theateraufführung in einem gut durchlüfteten Umfeld stattfinden kann? Und sind zwei Männer, die z.B. in Shakespeare’s Romeo und Julia ein heterosexuelles Paar geben, nicht per se nur ein Konstrukt, eine Theater-Behauptung, und müssen sich daher auch nicht „in echt“ küssend um den Hals fallen?

Wir wollen also versuchen, eines der größten nicht stattgefundenen Abenteuer der Weltliteratur aus dieser Perspektive auf der Bühne zu erzählen. Cervantes’ Geschichte des Don Quijote und seines Dieners Sancho Panza in der kongenialen Fassung des jungen deutschen Dramatikers Jakob Nolte.

Denn dieser Don Quijote aus La Mancha ist der Prototyp des Elisabethanischen Schauspiel-Prinzips. Fast nichts, was er sieht, ist wirklich da. Der Kampf gegen die Riesen ist nicht nur ein (sinnbildlicher) Kampf gegen Windmühlen, sondern am Ende ein Kampf mit sich selbst. Oder gegen sich selbst. Gegen seine eigene Realität. Und im zweiten Teil des Don Quijote sieht sich dieser gar mit sich als literarischer Figur konfrontiert. Nichts ist wirklich. Alles ist Schein. Alles ist Theater. Die ganze Welt ist Bühne.

Cervantes‘ DON QUIJOTE ist für uns eine echte literarische Schatztruhe und er selbst als Autor bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte. Nicht nur, dass er Zeitgenosse Shakespeares war und am selben Tag wie er starb (23. 4. 1616, heute Welttag des Buches), er hat in seinem DON QUIJOTE in der Figur des Cardenio jenen Helden erfunden, der Titelgeber von Shakespeares verschollenem Drama „Cardenio“ war.


DON QUIJOTE – der große Roman von Cervantes wird durch die filigran poetische Fassung von Jakob Nolte und die beeindruckende Übersetzung von Susanne Lange zu einem Fest für zwei Schauspieler, die sich an der Welt und aneinander bis zur völligen Erschöpfung abarbeiten. Auf einmal wird aus diesem opulenten Prosawerk die Vorlage für ein Stück Theater schlechthin. Weil es dem Kern dessen nachgeht, was Theater ist: Realität mit Sprache, Körper und Bühne illusionieren. Die gegenseitige Abhängigkeit von Don Quichote und Sancho Panza verführt die beiden immer wieder aufs Neue, sich auf das nächste Spiel einzulassen. Weil ein Leben ohne einander nicht vorstellbar ist. Und also auch kein Leben ohne Phantasie.
(Quelle: S. Fischer Theater Medien.)

DON QUIJOTE von Jakob Nolte war eine Auftragsarbeit für das Deutsche Theater Berlin in Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen, Uraufführung ebenda 2019 unter der Regie von Jan Bosse, mit Ulrich Matthes und Wolfram Koch.

JAKOB NOLTE wurde 1988 in Barsinghausen am Deister geboren. Sein erstes Stück Agnes kam im Frühjahr 2013 am Landestheater Salzburg zur Uraufführung. Seitdem wurden seine Arbeiten unter anderem am Schauspielhaus Zürich und am Deutschen Theater Berlin gezeigt. Mit Michel Decar gewann er 2013 den Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin für ihr Stück „Das Tierreich“. Noltes Debütroman ALFF (Fiktion, Matthes & Seitz Berlin) wurde mit dem Kunstpreis Literatur 2016 ausgezeichnet.

MIGUEL DE CERVANTES SAAVEDRA (1547 – 1616) gilt als Spaniens Nationaldichter. Er veröffentlichte 1605 den ersten Teil seines Don Quijote unter dem TitelEl ingenioso hidalgo don Quijote de la Mancha, übersetzt Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha. Der zweite Teil erschien 1615 unter dem Titel Segunda parte del ingenioso caballero don Quijote de la Mancha.

Gefördert im Rahmen von NEUSTART KULTUR #TakeAction.

Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit
12. Juni 2019

Die triumphale Intrigen-Komödie aus den Vorwehen der Französischen Revolution bietet in dieser Version statt süßlicher Opernseeligkeit geschliffenen Wortwitz und turbulenten Overdrive. Graf Almavivas „Recht der ersten Nacht“ scheint die #MeToo Debatte bereits vorweggenommen zu haben. Reichen Susannes und Figaros Witz als Waffe da noch aus?


Die wunderbare Kritik („Eine gigantische Show!“) der Premiere am 1. August in Potsdam aus der PNN – Potsdamer Neueste Nachrichten finden Sie hier >>.


Inhalt:

Figaro kann es kaum erwarten: Endlich darf er seine geliebte Susanne heiraten!

Sein Dienstherr, der Graf Almaviva, macht dem jungen Paar sogar eines seiner unzähligen Betten zum Hochzeitsgeschenk. Und gleich noch ein Zimmer in seinem Schloss dazu, direkt neben dem eigenen Schlafgemach… Damit Figaro einen kurzen Dienstweg hat, denkt Figaro. Seine Susanne weiß es besser!

Denn der testosterongesteuerte Graf hat es auf Susanne abgesehen. Er hintertreibt mit Hilfe seines Intriganten Bazillus die Hochzeitspläne und will auf das “Recht der ersten Nacht” mit der Zofe bestehen, während Figaro für ihn als reitender Bote außer Haus sein soll. Jenes „Recht“, das er selbst einst aus Liebe zu seiner Gräfin abgeschafft hatte.

Was jetzt?

Um Susanne heiraten zu dürfen, ohne auf die amourösen Besitzansprüche des Grafen eingehen zu müssen, will Figaro gegenintrigieren. Das Hochzeitspaar verbündet sich mit der unglücklichen Gräfin Almaviva: Ein Kleidertausch soll helfen, den lüsternen Grafen beim nächtlichen Rendezvous der Untreue zu überführen.

Hier betritt Cherubin die Szene: Der liebestolle junge Höfling, der hinter jedem Rock im Schloss her ist, soll Ihnen helfen. Doch da gerät das Verwirrspiel außer Kontrolle, denn die falsche Person steckt zur Unzeit in den falschen Kleidern im falschen Zimmer und der List droht die Entdeckung. Bis der arme Cherubin in Frauenkleidern mit einem gewagten Sprung aus dem Fenster das Weite sucht – direkt in das Blumenbeet des ewig betrunkenen Gärtners Antonio!

Auch das noch! 

Zu allem Unglück kreuzt nun auch noch die abgetakelte Schlossbewohnerin Marcelline auf. Sie beansprucht Figaro für sich und hetzt ihm wegen eines angeblichen Eheversprechens ihren unseriösen Winkeladvokaten Doktor Bartholo auf den Hals. Mit einem korrupten Gerichtsverfahren sollen Susanne und Figaro in die Enge getrieben werden.

Aber Figaro ist mit seinem Witz und Charme noch lange nicht am Ende!


Worum geht’s?

Das Thema des Widerstandes gegen ungerechtfertigte Machtausübung, Ausnutzung von Abhängigen, sexuelle Übergriffigkeit gegenüber Schwachen und Machtlosen, ist durch die Beispiele der letzten Jahre im Zuge der #MeToo-Debatte so aktuell wie ehedem! Mit Hilfe der „Komödie“ verwandelt Turrini hier diesen Stoff in eine Geschichte darüber, wie man wieder Herr oder Frau über sich selber werden kann – denn das Stückende hat er in spektakulär deutlicher Weise geändert. Somit ist die Bearbeitung auch ein entschiedener Gegenentwurf zur lieblich säuselnden Opernbearbeitung des Stoffes und fordert den Zuschauer heraus, Haltung zum Geschehenen zu beziehen

„Laster, Missbrauch und Willkür ändern sich nicht, sondern verstecken sich unter tausend Formen hinter der Maske der herrschenden Sitten: Diese Maske herunterzureißen ist die edle Aufgabe dessen, der sich dem Theater verschreibt.“ Beaumarchais

Heraus kommt eine triumphale Intrigenkomödie, die sich mit geschliffenen Dialogen zur rasanten Screwball-Comedy entwickelt. Und so stürzt sich das Ensemble des Neuen Globe Theaters voller Charme, Tempo, Witz und Esprit in diese leicht überdrehte Verwechslungskomödie, um sie gänzlich zum Kochen zu bringen.


Pierre Augustin Caron de Beaumarchais schrieb sein gesellschaftskritisches Lustspiel 1784 im vorrevolutionären Frankreich. Die Uraufführung war ein triumphaler Erfolg und offensichtlich wirkte das Stück beim bürgerlichen Publikum wie eine Bestätigung seiner anti-aristokratischen Ressentiments. Leider entging diese Tatsache auch nicht der Zensur. Das Werk wurde verboten, der Autor kurzzeitig inhaftiert – zeigte doch der Text nur allzu deutlich auf, wie Standesunterschiede mit Wortwitz und List hintertrieben werden können.

Peter Turrini, der unermüdliche österreichische Autor – über 50 Theaterstücke, 3 Opernlibretti, 55 Buchausgaben, 14 verfilmte Drehbücher und 17 Hörspiele stammen aus seiner Feder! – ist für seine gesellschaftskritischen und volksnahen Stücke genauso bekannt wie für seine Klassiker-Bearbeitungen. Fast 200 Jahre nach der Entstehung des Werkes von Beaumarchais modernisierte er den Stoff.


Auszüge aus dem Interview mit Peter Turrini für das Neue Globe Theater, Jänner 2020

Salman Rushdie hat Ihnen anlässlich eines gemeinsamen Besuchs eines Weinkellers gesagt: „Fundamentalisten haben keinen Humor.“ Hätten wir mit mehr Humor eine bessere Welt? Oder anders gefragt: Ist die Welt mit Komödie noch zu retten?

Peter Turrini: Die Welt ist und bleibt eine Tragödie und der Mensch ebenso. Ich nehme mich selbst als Beispiel: Ich werde immer älter und hinfälliger. Also kaufe ich mir zwei Stecken und mache „Nordic Walking“, damit ich durch eifrigen Sport dem Tod entrinne. Vor kurzem habe ich bemerkt, dass auch der Tod auf „Nordic Walking“ umgestellt hat und mich verfolgt. Sie sehen, es gibt kein Entrinnen. In der Tragödie wohnt auch immer eine Komödie, deshalb schreibe ich ja Tragikomödien.

„Theater wohnt im Bauch, und wenn es besonders edel ist, in den Genitalien.“ Der gesamte Hofstaat im Tollsten Tag scheint nur Sex im Kopf zu haben, den er auf Kosten der Abhängigen ausleben kann. Sie haben das Stück in den 70er Jahren geschrieben, wie wichtig war für Sie dabei das Thema „Sexuelle Befreiung und sexuelle Revolution“?

P.T: Damals habe ich in einer Wohngemeinschaft am Rande Wiens gelebt und wir hatten nichts anderes im Kopf, als die Befreiung des Menschen, und die sollte mittels sexueller Freizügigkeit herbeigeführt werden. Das war in der Praxis dann ein bisschen komplizierter und vor allem langwieriger, als wir uns das dachten. Aber im Grundsätzlichen lässt sich folgendes aus meiner Sicht sagen: Die Menschen sind ja völlig eingemauerte Wesen voller Sehnsucht, und die einzige Form, diese Mauern zu durchbrechen, ist die Sexualität. Sie überwindet ja alle Schranken, die Klassenschranken, die Geschlechterrollen, sogar die Geschmacksgrenzen. Oder würden Sie bei vollem Bewusstsein einem anderen Menschen die Zunge in den Mund stecken? Die Liebe ist eine einzige Anarchie und funktioniert am besten, wenn sich zwei Anarchisten treffen.

Wir nehmen die sexuelle Übergriffigkeit des Grafen (und der anderen Rollen) bewusst auf. Heute kann ein Präsident Trump sich ungeniert mit „Pussy-Grab“ brüsten und „Macht“ mit „Recht“ gleichsetzen. Ist Ihr TOLLSTER TAG mittlerweile auch ein Statement im Rahmen der aktuellen #MeToo-Debatte?

P.T: So weit blickend war ich ja nicht, aber ein Punkt ist damals wie heute entscheidend: Ist die Liebe ein Kind der Freiheit, des gegenseitigen Übereinkommens oder der Macht, der Ausbeutung? Der Graf will seine sexuelle Lust durch Macht erzwingen, insofern ist ein Vorläufer von Harvey Weinstein.


PRESSESTIMMEN:

PNN (Potsdamer Neueste Nachrichten), WAZ (Wolfsburger Allgemeine),

Leben Eduards des Zweiten von England
4. Januar 2019

Die Wiederentdeckung eines frühen Brecht-Stücks (nach einer Vorlage des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe) über den unglücklichen König Eduard und seinem Geliebten Gaveston. Ein Plädoyer für die Freiheit eigener Lebensentwürfe auch unter gesellschaftlichem Druck. Ein wortgewaltiges, sinnliches und selten gespieltes Drama über Ausgrenzung, Tyrannei und Königsmord.

Eingeladen zum Shakespeare Festival Neuss.


Inhalt:

Leben Eduards des Zweiten von England
Oder besser:
Liebe Eduards des Zweiten von England?

Denn dies ist die tragische Geschichte einer großen Liebe. Zwischen Eduard dem Zweiten, König von England (1284-1327) und Gaveston, seinem „Günstling“. Diese große Liebe des Plantagenet-Königs steht unter keinem guten Stern im England des frühen 14. Jahrhunderts, unter den Augen der strengen Peers am Hofe! Im Beisein der aus Frankreich stammenden, unglücklichen Königin Anna, die zuerst noch bedingungslos zu ihrem Ehemann Eduard steht, dem Vater ihres Sohnes, um dann mehr und mehr an dieser Liaison zu zerbrechen? Am Ende instrumentalisiert vom Peer Mortimer, der um der Macht willen Königin Anna zu seiner Mätresse degradiert, um seinen Einfluss auf den jungen Prinzen zu festigen und die Herrschaft in England an sich zu reißen. Diese Liebe zwischen Eduard und Gaveston hat keine Chance!

Und hier beginnt die zweite Geschichte im Stück:
Leiden Eduards des Zweiten von England.

Darin geht es um nichts weniger als um Königsmord. Ein Krimi, an dessen Anfang die Gefangennahme und Ermordung des Geliebten Gaveston durch Mortimer steht, auf dessen Fuß sofort die fürchterliche Rache Eduards folgt, indem er alle Peers hinrichten lässt und nur Mortimer, aus einer fast selbstzerstörerischen Laune heraus, am Leben lässt. Ein fataler Fehler, wie sich zeigen wird. Denn eben dieser, im Leben immer zu kurz gekommene Büchermensch Mortimer, der sich eigentlich schon aus der Politik zurückgezogen hatte, entdeckt die Lust in sich „abzuziehen die Haut dem Tiger“ und wird zum gewissenlosen Intriganten, zum ausgewiesenen Feind des verliebten Königs und letztendlich zum Meuchelmörder an Eduard dem Zweiten. Ein Tyrann!

Königin Anna wird von Mortimer manipulativ auf seine Seite im Kampf um die Krone gezogen und beide führen daraufhin einen 13 Jahre währenden Krieg gegen den rechtmäßigen König. Daran zerbricht nicht nur Anna, die für ihren kleinen Sohn Prinz Eduard die Regierungsgeschäfte übernehmen und in Mortimers Mörderhände legen will, sondern auch der, in den langen Kriegsjahren heimatlos umherziehende Eduard. Nun ein Getriebener, Enttäuschter und nur noch ein gebrochener Schatten seiner selbst. Von opportunistischem, ihn ausnützendem Geschmeiss umgeben, wird er am Ende vom eigenen Tross verraten und an Mortimer ausgeliefert. Und erst hier wächst der vermeintlich schwache, seinem Kriegervater Edward Longshank zu feminine und in Wirklichkeit einfach „nur“ schwule junge Mann über sich hinaus und findet zu königlicher Größe. Indem er Mortimers Ansturm, der Krone und damit auch der bereits verlorenen Liebe zu entsagen, standhält und sich weigert: NEIN! NEIN! NEIN!

Dieser Fähigkeit, NEIN zu sagen, maß Brecht lebenslange Bedeutung bei! Und vermisste diese schmerzlich bei seinen Mitbürgern, vor allem in den dunklen Vorkriegsjahren in Deutschland.

Tod Eduards des Zweiten von England.

Eduards Passionsgeschichte findet ihr klägliches Ende in der Kloake von London. Gefoltert, gedemütigt, bis zum Halse in den Fäkalien seines Volkes stehend, bleibt er bis zum Ende seiner Entscheidung treu, die Königswürde nicht abzulegen und bezahlt es mit seinem unglücklichen Leben. Sein Sohn wird daraufhin legitimer Nachfolger auf Englands Thron: Eduard III. Und die erste Amtshandlung des mittlerweile 15-jährigen Königs wird sein, seinen Vater zu rächen, indem er Mortimer aufs Schafott schickt und seine Mutter Anna in den Tower werfen lässt. Dieser Eduard III. kommt ganz nach seinem Großvater Eduard I.: Ein junger Kerl und Krieger vor dem Herrn, der England in den 100 Jahre dauernden Krieg mit Frankreich stürzen wird. Die Zeiten des liebesvollen aber glücklosen Eduards des Zweiten sind vorbei. Es lebe der König!


Entstehung des Stücks

Bertolt Brecht schrieb dieses Drama 1924 zusammen mit Lion Feuchtwanger, anlässlich seiner allerersten Regiearbeit an den schon damals berühmten Münchner Kammerspielen. Ursprünglich sollte er Shakespeares Macbeth dort inszenieren, auf Anraten Feuchtwangers entschied man sich aber für Christopher Marlowes Stück The Troublesome Reign and Lamentable Death of Edward the Second (1592), das als direkter Vorläufer für Shakespeares Charakterdramen, vor allem Heinrich VI., Richard II. und Richard III. angesehen wird. Weil Brecht die damalige, durchweg im Blankvers gehaltene Übersetzung nicht zufriedengestellt hatte, griff er zusätzlich auf Marlowes Original zurück und schrieb das Stück in der Folge sozusagen neu. Brecht selbst betonte später, dass seinen Eduard „die Anfänge einer neuen Bühnensprache“ bemerkenswert machten.

Einige grundlegende Entdeckungen des epischen Theaters machte Brecht bereits mit diesem frühen Werk seiner vormarxistischen Schaffensphase. Zum Beispiel die von Karl Valentin initiierte kreideweiße Maske der Soldaten, um den Terror und die Müdigkeit des Krieges zu suggerieren. Weil: „Furcht hams, blass sans.“ Die Geburtsstunde des Brecht’schen Verfremdungseffektes! Auch tritt in Brechts Eduard, wie übrigens bereits im Marlowe’schen Original, die historische Handlung hinter die individuell handelnden Charaktere zurück. Der später für das epische Theater prägende Begriff der zu spielenden Fabel, der Handlung die etwas „bedeutet“, wird hier zum ersten Mal angewendet.

Brechts Stück übertrifft Marlowes in Tiefe und dramatischem Handwerk bei weitem. Sein dramatisches Genie ist voll am Werk und zeigt die Sinnlosigkeit menschlichen Ehrgeizes und die blinden Verdrehungen des Schicksals. Die dramatische Virtuosität dieser Tragödie ist unverkennbar. Trotzdem hat Brecht nie wieder in solch tragischer Weise geschrieben! Interessanterweise wurde Brecht nie dafür belohnt, dass er der erste große Dramatiker war, der eine schwule Geschichte in einem modernen Stück in den Mittelpunkt stellte.

Ein wortgewaltiges, großes und selten gespieltes Drama von Brecht mit einer heute noch aktuellen und überraschend modernen Fabel über die Unmöglichkeit, in gewissen gesellschaftlichen Zwängen seine sexuelle Orientierung auszuleben, ohne dafür an den Pranger gestellt zu werden. Ein Stück über Männer, die keine „echten“ Männer sein können, über Frauen, die von Opfern zu Tätern mutieren und über Politiker, die zu Tyrannen werden. 

Das NEUE GLOBE THEATER verortet Bertolt Brechts Leben Eduards des Zweiten von England zeitlich und räumlich im Hier und Jetzt, wie schon im elisabethanischen Theater üblich: Auch damals spielte man in den Kostümen der Zeit (damals in denen der Renaissance) und in nur angedeuteten Bühnenbildern, die den Zuschauern die Übertragung in die Gegenwart erleichtern sollten.

Gefördert durch die Landeshauptstadt Potsdam.


Pressestimmen:

Kritik der Premiere in der PNN – Potsdamer Neueste Nachrichten – vom 15.6.2019, von Astrid Priebs-Tröger hier >>

Kritik der SZ Süddeutsche Zeitung hier >>

Kritik im Ostholsteiner Anzeiger hier>>

Vorbericht in der PNN – Potsdamer Neueste Nachrichten – vom 13. Juni 2019, von Sarah Kugler hier >>

Vorbericht in der SIEGESSÄULE hier >>.

Die Streiche des Scapin

Unsere Erfolgskomödie (über 70 verkaufte Vorstellungen) über den schlitzohrigen Diener Scapin, welcher in bester Commedia dell’arte Manier hilft, dass vier junge Liebende trotz geiziger Väter ihr Happy End feiern können. Eingebettet in eine Rahmenhandlung, in der Herr Molière mit seiner Truppe höchstselbst die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt. 

DIE STREICHE DES SCAPIN waren nominiert für den INTHEGA Theaterpreis „DIE NEUBERIN 2019“.


Inhalt:

Die Väter!

Argante und Geronte, zwei reiche und gierige alte Kaufleute aus Neapel, sind auf Geschäftsreise und überlassen ihre beiden Söhne den Dienern zur Aufsicht.

Die Söhne!

Denen fällt aber nichts Besseres ein, als sich Hals über Kopf zu verlieben: Leandre, Gerontes Sohn umgarnt die schöne Zerbinette, ein fahrendes Mädchen fraglicher Herkunft und Octave, der Sohn von Argante, heiratet sogar heimlich die liebliche, aber mittellose Hyacinthe, die nur in Begleitung ihrer Amme an der Küste Neapels gestrandet ist.

Aber es kommt noch schlimmer!

Denn die beiden Väter haben vereinbart, dass der Sohn des einen die Tochter des anderen ehelichen soll! Was tun?

Auftritt: Scapin!

Scapin, der gerissene und schlagfertige Diener von Leandre, soll helfen, Geld zu beschaffen, um Zerbinette vom fahrenden Volk loszukaufen. Gleichzeitig hilft er seinem Kollegen Silvestro, Diener des Octave, dessen Probleme in den Griff zu kriegen: Mit Hilfe von allerlei Tricks und Possenspiel werden die beiden Väter um ihr Geld gebracht und zum Ende erleben alle noch eine Überraschung, mit der selbst das Schlitzohr Scapin in seinen kühnsten Träumen nicht gerechnet hat!


Molière spielt Scapin!

Der Übersetzer und langjährige künstlerische Leiter der Bad-Hersfelder-Festspiele Peter Lotschak stellt in seiner Bearbeitung diese pralle Komödie überdies in einen historischen Zusammenhang: Er lässt die Truppe Molieres leibhaftig auftreten und vor unseren Augen „Die Streiche des Scapin“ als Theater auf dem Theater zur Aufführung bringen!  Ein Stück also auch über die Pannen und Anekdötchen der Theaterschaffenden zu allen Zeiten, ein augenzwinkernder Blick hinter die Kulissen eines fahrenden Theaters und ein natürlich Fest für die Vollblutkomödianten unseres Ensembles!

Die Streiche des Scapin wurde für Molières Truppe zum Kassenschlager und gehört seither zu den meistgespielten Stücken des französischen Theaters. Molière schrieb diese Farce im Stile der Commedia dell’arte zwei Jahre vor seinem Tod, zur Überraschung seiner Kollegen: Er griff darin wieder auf seine ersten Theatererfahrungen mit der Truppe seines italienischen Kollegen Tiberio Fiorilli und dessen Figur des Scaramouche zurück, von dem Moliere selbst sagte, dass er ihn „lange und mit der größten Aufmerksamkeit studiert und ihm alles Schöne und Treffende seiner Aktion zu danken habe“.

Gefördert durch die Landeshauptstadt Potsdam.

Pressestimmen:

WAZ, PZ Pforzheimer Zeitung, Augsburger Allgemeine Neuburg an der Donau, Augsburger Allgemeine Neusäss, Donaukurier, Lahrer Zeitung, Deister- und Weserzeitung, Badische Zeitung, Baden online, Wetzlarer Neues Zeitung, Thuner Tagblatt, Wolfsburger Nachrichten, Ostholsteiner Anzeiger, NRZ, Vorbericht in der PNN, MAZPressespiegel anfordern >>

INDIEN – eine Schnitzeljagd durch die deutsche Provinz

Das Kultstück über die zwei sympathischen Unsympathler in einer eigenen hochdeutschen Fassung: Der Schnitzeltester Heinz Bösel geht zusammen mit seinem Kollegen Kurt Fellner auf Inspektionsreise durch die vermeintliche Brandenburger Servicewüste und macht den Wirten das Leben schwer…  Bis einem die Lachtränen kommen!


Inhalt:

Indien – Sehnsuchtsland von Kurt Fellner, seines Zeichens technische Aufsichtskraft im Außendienst des Fremdenverkehrsamtes Brandenburg. Zuständig im Hotel- und Gaststättengewerbe u.a. für die Kontrolle und Beanstandungen unhygienischer Klobürstenhalterungen, mangelhaft installierter, schweißresitenter Saunageländer und sich zu gefährlichen Stolperfallen aufrollender Bodenbeläge. Also für die Dinge, die das Leben erst richtig lebenswert machen!

Als verlängerter Arm des Gesetzes begibt er sich mit seinem Kollegen, dem Restaurant-Inspektor Heinz Bösel, auf Dienstreise in die vermeintliche Servicewüste Brandenburg: Einer testet die Betten, einer die Schnitzel. Und sie entdecken auf dieser Tour de Force, was echte Männerfreundschaft ausmacht: saufen, streiten, sich versöhnen.

Aus der Fahrt durch die brandenburgische Provinz wird somit auch eine Reise zu sich selbst. Am Ende dieser bissigen Gaudi über zwei sympathische Unsympathler obsiegt der Krebs. An dem einer der beiden verreckt. Aber vielleicht wird er ja, wie man in Indien glaubt, wiedergeboren. Wahrscheinlich dann als Gemüse, er war doch fast ein Vegetarier. Zu wünschen wäre es ihm!

Eingerahmt wird dieser komödiantische Selbsterfahrungs-Trip in die Tourismus-Branche von live gesungenen Schlagern aus den Höhen und Tiefen der deutschen Unterhaltungskultur.

Theodor W. Adorno sagte über die Wirkung des Schlagers und seine gesellschaftliche Funktion: „Schlager beliefern die zwischen Betrieb und Reproduktion der Arbeitskraft Eingespannten mit Ersatz für Gefühle überhaupt, von denen ihr zeitgemäß revidiertes Ich-Ideal sagt, sie müssten sie haben.“

Dem ist nichts hinzuzufügen…


Indien heißt die erfolgreich verfilmte Tragikomödie von Josef Hader, einem der bekanntesten und populärsten Schauspieler und Kabarettisten Österreichs (2017 war sein Spielfilm WILDE MAUS im Kinos zu sehen, bei dem er neben Hauptrolle und Drehbuch erstmals auch die Regie übernommen hat), und seinem Kollegen Alfred Dorfer. Ein Stück für zwei Vollblutkomödianten, angesiedelt irgendwo zwischen Gerhard Polt und Loriot. In unserer Fassung unterstützt von unserer Schlager-singenden Geheimwaffe in gleich mehreren Rollen und verpflanzt ins schöne Brandenburg, welches hier stellvertretend für den ganz speziellen Charme der deutschen Provinz herhalten darf.

Freuen Sie sich auf:
Andreas Erfurth – als meist schlecht gelaunten Schnitzeltester Heinz Bösel.
Kai Frederic Schrickel / Sebastian Bischoff – als übermotivierte, nervtötende Aufsichtskraft im Außendienst Kurt Fellner.
Kilian Löttker – als Schlager-Geheimwaffe im ewigen Kampf zwischen Weinen und Lachen.

Gefördert durch die Landeshauptstadt Potsdam.

Pressestimmen:

DEWEZET (Hameln), PNN (Potsdam), Donaukurier (Neuburg an der Donau) und TAZ (Berlin)

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König Lear

Der König ist alt, er verschenkt sein Reich. Ist das schon Irrsinn? Ist Lear etwa dement, wie seine Töchter glauben? Oder hat sein Narr recht, wenn er sagt: „Du hättest nicht alt werden dürfen, bevor du weise bist!“

In der Tradition des Elisabethanischen Theaters wird in einer All-Male Besetzung gespielt.

Eingeladen zum Shakespeare Festival Neuss.


Inhalt:

Der König ist alt. Der König verteilt sein Reich.

So beginnt William Shakespeares vermutlich im Frühjahr 1606 im Londoner Globe Theatre uraufgeführtes Spätwerk KÖNIG LEAR. Auf alles will der König verzichten: Auf Macht, Politik, Verwaltung, seine Untertanen. Einzig auf den Titel und seinen Namen besteht er: König Lear. Das Reich teilt er in drei Teile, jede seiner Töchter soll einen davon erhalten. Seine liebste Tochter Cordelia jedoch das schönste Drittel. Einzige Bedingung an die Drei: Sie sollen ihre Liebe zum Vater bekunden, aussprechen, wer von ihnen den Vater am meisten liebt. Während sich die älteren Schwestern Goneril und Regan im Schönreden zu übertrumpfen suchen, gibt Cordelia sich geschlagen: Nicht mit Worten liebe sie den Vater, sondern mit dem Herzen, wahrhaftig, ehrlich und direkt. So, wie eine Tochter ihren Vater lieben muss. Nicht mehr, nicht weniger.

Aber das ist Lear zu wenig. Viel zu wenig! 

Warum der alte König in sein selbst gewähltes Exil gehen will, verrät uns Shakespeare nicht explizit. Wir können nur mutmaßen. Vielleicht ahnt er schon, über kurz oder lang nicht mehr Herr seines Verstandes zu sein, damit nicht mehr Herr seiner Entscheidungen und seines Reiches. Der Schritt zurück, in die Obhut seiner ihn umpflegenden Töchter, scheint ihm an der Zeit und das probate Mittel, dem beginnenden Zerfall noch handelnd entgegenzutreten. Doch schon im ersten Akt des Dramas sind sich alle (außer einem) bald klar: Der König ist altersstarrsinnig, launisch, wechselhaft, ungerecht, senil.

Steht Lear am Beginn seiner Demenz?

Demenz: lat. dementia, zu demens „unvernünftig“ bzw. mens „Verstand“, de „von – weg“, „abnehmend“. Für Lear beginnt die „Dämmerung seiner Tage“, wie es zum Beispiel Ronald Reagan bei seinem Abschied von der Öffentlichkeit benannte und sich seiner Alzheimer Erkrankung ergab. Wie reagiert man auf diese Erscheinung des Alters, die Ungerechtigkeiten mit Starrsinn gebiert, dem ohnehin schon immer impulsiven und cholerischen König Lear den Zerrspiegel vorhält und nur eine Richtung kennt: In Wahn, in Wahnsinn, in Wahnsinns-Taten? Die Charaktere der Tragödie suchen alle ihren eigenen Weg, mit dem Unausweichlichen umzugehen. Die einen mit Liebe, die anderen mit Treue, manche mit Verzicht und stiller Trauer. Der Narr mit Spott und Schelte, die beerbten Töchter erst mit Strenge und Verzweiflung, dann mit Brutalität und offenem Hass.

Aber die Spirale des mentalen Untergangs dreht sich unaufhaltbar…

Hätte es nicht Lear getroffen, sondern einen milderen, sanften Zeitgenossen, wäre es wohl ausgegangen wie im berühmten „Die ganze Welt ist Bühne“-Monolog des Melancholiker Jaques aus WIE ES EUCH GEFÄLLT:  Der letzte Akt, mit dem / Die seltsam wechselnde Geschichte schließt, / Ist zweite Kindheit, gänzliches Vergessen, / Ohn Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles. – Was aber passiert, wenn dieses Schicksal der „Wieder-Kind-Werdung“ einen Kämpfer, einen auch mal ungerechten, stets polternden, lauten alten Mann erwischt, wird uns im KÖNIG LEAR erschreckend und berührend vor Augen geführt.

Die Gloster-Story: Sex and Crime and Rock’n’Roll!

Parallel erleben wir die Geschichte des Grafen Gloster, der zwei Söhne hat: Edgar, seinen „rechtmäßigen“, das heißt er ist von ehelicher Geburt, und Edmund, seinen „natürlichen“ Sohn, also seinen Bastard. Wie Edmund sich sein vorenthaltenes Recht auf Erbe und Grafentitel durch Intrige und Verrat erschleicht, wie er den Bruder in die Verbannung, seinen Vater auf die Folter und seine Liebhaberinnen in den Tod treibt, wird mit allen Mitteln des elisabethanischen Theaters erzählt und ist aus heutiger Sicht Sex and Crime and Rock’n’Roll pur!


400. Todestag William Shakespeares (23. April 1564 – 23. April 1616).

Ganz im Stil der Shakespear’schen Spielweise zu Beginn des 17. Jahrhunderts, spielt das NEUE GLOBE THEATER anlässlich des 400. Todestages des „Bard of Avon“, KÖNIG LEAR in einer All-Male-Besetzung: Acht Männer werfen sich in 14 Rollen, beschwören die Elemente, lassen Sturm, Donner und Orkan vor den Augen und Ohren der Zuschauer entstehen und stürzen sich wie damals in wilde Kämpfe und Gefechte.

Gefördert durch die Landeshauptstadt Potsdam und mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

Pressestimmen:

PNN Kritik der Premiere, Hohenzollerische Zeitung, Kreisbote (Landsberg), Wetzlarer Neue ZeitungHolsteinischer Courier

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Die Räuber

Das Sturm-und-Drang Drama über die ungleichen Brüder Karl und Franz Moor, die beide ein Leben jenseits der Legalität wählen: der eine als Räuberhauptmann, der andere als Bruder- und Vatermörder. Terror gegen den Staat versus Terror gegen die eigene Familie. Beide  Brüder sind Outlaws, die alles um sich herum mit in den Abgrund ziehen.


Inhalt:

Karl und Franz Moor sind Brüder. Franz, der jüngere, hasst Karl.

Er neidet ihm das Erbe, das dem Erstgeborenen zusteht, neidet ihm seine Braut Amalia, die Liebe des Vaters, die alles verzeiht, auch, dass Karl in seinem Studienort über die Stränge schlägt. Franz, der alles entbehrt, will Herr sein. Das „Böse“ zu wollen, heißt sich Karls Welt gewaltsam anzueignen. Und es gelingt ihm, das Band zwischen dem Vater und Karl zu zerschneiden. Der alte Moor droht darüber zu sterben – Karl wird zum Räuber, zum Gesetzlosen. Mit aller Kraft will er diejenigen bekämpfen, die ihn willkürlich und voller Kälte schutzlos gemacht haben.

Neben dem persönlichen Konflikt, der enttäuschten Liebe zwischen dem Vater und den Söhnen, zwischen Franz und Amalia, gibt es noch einen politischen Aspekt im Stück: Karl kehrt seiner bürgerlichen Welt den Rücken und zieht in einen Krieg gegen das Establishment, er radikalisiert sich, wird zum „Terroristen“. Franz etabliert auf seine eigene Art ebenfalls den Terror zum Herrschaftsprinzip, wendet sich radikal von Innen gegen das System, in dem er lebt.Wir erleben Outlaws, die, bis in die letzte Konsequenz hinein, alles um sich herum in ihren eigenen Abgrund ziehen und selbst verglühen.Zentrales Motiv der Figuren ist der Konflikt zwischen Verstand und Gefühl, und Ihr Verhältnis zu Gerechtigkeit, Gesetz, Moral und persönlicher Freiheit.


Das NEUE GLOBE THEATER widmet sich neben Brechts Stücken DER GUTE MENSCH VON SEZUAN und LEBEN EDUARDS DES ZWEITEN VON ENGLAND einem weiteren deutschen Klassiker, schlägt mit Schiller eine Brücke zwischen Shakespeare und Brecht und zeigt, wie sich Sturm und Drang mit epischer Dramaturgie und dem Prinzip GLOBE, der Spielweise Shakespeares, vereinen lässt.

Pressestimmen:

Eckernförde Zeitung, Ostthüringer Zeitung, Saarbrücker Zeitung,

Gießener Allgemeine, Wetzlarer Neue Zeitung, Pressespiegel anfordern »

 

Repertoire

Alle Produktionen buchbar über die gesamte Spielzeit, außer KÖNIG LEAR (Termine auf Anfrage).