18. Mai 2026
„Draußen vor der Tür“ berührt Potsdam – bewegende Premiere im T-Werk

Mit minutenlangem Applaus, Standing Ovations und einem sichtlich bewegten Publikum feierte das Neue Globe Theater Potsdam die Premiere von Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ im T-Werk Potsdam. Viele Zuschauer verließen den Abend tief ergriffen – nicht wenige mit Tränen in den Augen. Noch lange nach der Vorstellung wurde im Foyer diskutiert: über die eigenen Kinder, die heute wieder vom Kriegsdienst betroffen sein könnten, über Großväter, die traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrten und jahrzehntelang schwiegen. Genau diese Gespräche zeigen, wie unmittelbar Borcherts Stück auch fast 80 Jahre nach seiner Entstehung wirkt.

Die Inszenierung von Kai Frederic Schrickel verbindet Borcherts poetischen Aufschrei mit grotesken, fast erschreckend komischen Momenten und live gespielter Musik. Der Tagesspiegel lobte die Produktion als konsequente und eindringliche Umsetzung, die Borcherts „ungebrochenen Furor ernst bis zum Anschlag“ nehme. Hervorgehoben wurden Moritz Gehrckens als „ungeschützter“ Beckmann voller „fast verbissener Inbrunst“, Andreas Erfurth, der den lieben Gott als „störrischen, hilflosen Alten“ spiele sowie Laurenz Wiegand, dessen Tod „eine ekelerregende Freude“ sei.

Auf der fast leeren Bühne entstehen mit Musik, Licht und sieben Spielenden eindrückliche Bilder zwischen Albtraum, Groteske und Menschlichkeit. Das Publikum erlebt keinen historischen Theaterabend, sondern eine Begegnung mit Fragen, die bedrückend aktuell geworden sind: Wie lebt man weiter nach Krieg und Schuld? Was geschieht mit Menschen, die nicht mehr zurück ins Leben finden?

Nach der gefeierten Premiere folgen weitere Vorstellungen im T-Werk Potsdam bis 18. Mai sowie wieder am 13. und 14. August Open Air um 21:00 Uhr ebenda. Bereits jetzt zeigt sich: „Draußen vor der Tür“ ist nicht nur ein außergewöhnlicher Theaterabend, sondern eine Produktion, die Gespräche auslöst – lange über den Schlussapplaus hinaus.

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