30. August 2026Vorhang auf für Kai Frederic Schrickel!
Es gibt Menschen, die machen Theater. Und es gibt Menschen, die sind Theater. Kai gehört unzweifelhaft zur zweiten Kategorie – und dieses Jahr feiert er einen runden Geburtstag, der es verdient, gebührend begangen zu werden: Kai wird 60!
Seine Bühnenlaufbahn begann früh und die Theaterwelt hat ihn seither nie wieder losgelassen – vom Kinderchor an der Oper Frankfurt über erste Regieassistenzen am Staatstheater Wiesbaden, seine Ausbildung an der Neuen Münchner Schauspielschule unter Ali Wunsch-König, über Theaterstationen in Salzburg, Leipzig, Essen, Frankfurt, München und Berlin bis zu 70 Folgen Stadtklinik, in denen er als Dr. Rainer Wandke vielen Zuschauern bei RTL über lange Jahre vertraut wurde.
Doch die Geschichte, die uns besonders am Herzen liegt, beginnt 2011.
Seitdem war Kai fester Bestandteil des Ensembles von Shakespeare und Partner – zunächst dort, wo er sich zuhause fühlt: auf der Bühne.
Und was für Charaktere füllte er mit Leben! In Othello verlieh er Brabantio eine fast jähzornig-väterliche Autorität sowie der Bianca eine verrucht-geheimnisvolle Aura, in der Komödie der Irrungen brillierte er gleich in drei Rollen und verwandelte das Intro in ein komödiantisches Feuerwerk einer One-Man-Show. Aber auch die intrigante, zickige Frau Mi-Zü, um nur eine seiner Figuren aus Der gute Mensch von Sezuan zu nennen, und in Wie es euch gefällt seine launig pubertierende Monarchen-Tochter Celia, waren starke Frauenporträts. Er wütete sich als Karl Moor durch Schillers Die Räuber, litt als geiziger Geronte unter den Streichen des Scapin, brachte als Graf Almaviva in Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit die Pose des unumschränkten Fürstenherrschers fast zum Platzen und spielte sich fast 10 Jahre lang als pedantisch-penibler Herr Fellner in Indien in die Herzen der Zuschauer.
Ein Repertoire, das zeigt: Kai kennt keine Berührungsängste vor Genres, Epochen oder Geschlechtergrenzen. Tragödie, Komödie, großes Drama, feiner Witz – er wirft sich in alle Rollen mit derselben Hingabe.
Doch Kai wäre nicht Kai, wenn er sich mit dem Schauspiel allein zufriedengegeben hätte. Parallel übernahm er Verantwortung für Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit und bewies damit früh, dass sein Blick fürs Theater weit über die eigene Rolle hinausreicht. Er dachte nicht nur in Szenen, sondern in Spielzeiten; nicht nur an den momentanen Auftritt, sondern an Publikum, Wirkung und Zukunft.
2015 dann der nächste, folgerichtige Schritt: Kai übernahm zunehmend die Regie – und gründete im selben Jahr gemeinsam mit Andreas Erfurth und Sebastian Bischoff das Neue Globe Theater Potsdam.
Seine Inszenierungen – von Hamlet über Don Quijote, Der Sturm und Mephisto bis zu Draußen vor der Tür – tragen seine unverkennbare Handschrift: klassisch fundiert, klug bearbeitet und mit einem Gespür für den Moment, der ein Publikum wirklich berührt.
Diese Handschrift blieb nicht unbemerkt. Seine Inszenierungen von König Lear, Leben Eduards des Zweiten von England und Der Sturm wurden zum internationalen Shakespeare Festival im Globe Neuss eingeladen. Seine deutsche Erstaufführung von Max und Moritz (M&M) – Da ist noch was im Busch! wurde 2023 mit dem 1. Preis beim Kindertheater-Festival Amberg ausgezeichnet. Mephisto erhielt 2024 den 2. Platz des INTHEGA-Theaterpreises „Die Neuberin“.
Wer ihn kennt, weiß: Bevor auch nur eine Probe beginnt, verbringt Kai Wochen, manchmal Monate mit dem Konzept – liest, plant, verwirft, denkt neu. Diese Gründlichkeit ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für das, was am Ende auf der Bühne so mühelos wirkt.
Bühnenbild, Kostüm und Musik denkt er nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als integralen Bestandteil der Erzählung. Ob die Revue-Kabarett-Welt des Mephisto, die in die 70er Jahre transformierte Verwechslungskomödie Diener zweier Herren oder die konzentrierte Bildsprache von Draußen vor der Tür – jede Produktion trägt eine eigene, bis ins Letzte durchdachte Ästhetik.
Genauso wichtig ist ihm die Zusammenstellung seines künstlerischen Teams. Und im Zentrum steht immer die Arbeit mit den Schauspielerinnen und Schauspielern selbst: Als jemand, der die Bühne aus eigener Erfahrung kennt, nimmt er sich Zeit für jede Figur, jede Nuance, jeden Moment.
Wer mit Kai zusammenarbeitet, kennt seine Ernsthaftigkeit für die Kunst – und seinen Humor für das Leben. Beides zusammen macht ihn zu dem, was er ist: ein Künstler, ein Kollege, ein Freund, auf den man sich verlassen kann, wenn der Vorhang hochgeht.
Und folgerichtig stand er am Vorabend seines 60. Geburtstags noch selbst auf der Bühne: als Monsieur Geronte in der 98. Vorstellung von Die Streiche des Scapin – in seiner eigenen Regie –, um anschließend mit Ensemble und Gästen in sein Jubiläum hineinzufeiern.
Lieber Kai, wir gratulieren Dir von ganzem Herzen zu Deinen 60 Jahren voller Bühnenmomente, mutiger Regieentscheidungen und unvergesslicher Rollen.
Auf viele weitere Akte gemeinsamer Geschichte(n) – vor und hinter dem Vorhang!
Andreas Erfurth































